Per Mausklick zur regionalspezifischen Klimaprognose

Online-Anwendung ermöglicht Landwirtschaft Blick auf zukünftige Klimaszenarien

Die Landwirtschaft gehört weltweit zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Wirtschaftssektoren. Gleichzeitig sind die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich – von zunehmender Trockenheit bis hin zu häufigeren Starkniederschlägen. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, benötigen landwirtschaftliche Akteure daher verlässliche und zugleich leicht zugängliche Klimadaten.

Die kostenlose Online-Anwendung CANARI (Climate ANalysis for Agricultural Recommendations and Impacts) ermöglicht die einfache Erstellung individueller Klimaprojektionen und stellt agrarspezifische Auswertungen direkt zur Verfügung. Die Bodensee-Stiftung hatte mit Partnern im Projekt AgriAdapt zur Klimawandelanpassung der Landwirtschaft Grundlagen für die Webanwendung CANARI geschaffen.

Klimadaten verständlich und praxisnah nutzen

Grafik, die einen agroklimatischen Indikator darstellt.
Beispiel der Darstellung eines Agroklimatischen Indikators. In dem Fall, Anzahl an Tagen mit Hitzestress (> 25 °C) zwischen dem Ährenschieben und der Blüte bei Stuttgart. Der Zeitraum und die Temperatur wären für diesen Indikator frei wählbar um es an die regionalen Gegebenheiten anzupassen. Copyright: Bodensee-Stiftung

Klimadaten sind zwar grundsätzlich vorhanden, bleiben für viele Anwender jedoch schwer zugänglich. Der Grund: Für die landwirtschaftliche Praxis müssen Rohdaten zunächst in sogenannte agroklimatische Indikatoren (ACI) übersetzt werden – ein Schritt, der oft zusätzliche Berechnungen erfordert.

CANARI übernimmt diese Aufgabe und macht die Ergebnisse direkt nutzbar. Die Anwendung zeigt, wie sich der sogenannte „Klimadruck“ verändert, indem sie zukünftige Entwicklungen mit einem Referenzzeitraum vergleicht.

Typische Fragestellungen, die sich damit beantworten lassen, sind:

  • Wie entwickeln sich Hitzetage in einer bestimmten Region?
  • Welche Veränderungen sind bei Niederschlägen zu erwarten?
  • Wie verschieben sich Vegetations- und Anbauzeiträume?

Über 100 agroklimatische Indikatoren im Überblick

Ein zentraler Mehrwert von CANARI ist die große Bandbreite an Indikatoren. Mehr als 100 agroklimatische Kennzahlen können visualisiert und analysiert werden – angepasst an unterschiedliche landwirtschaftliche Produktionssysteme.

Dazu zählen insbesondere:

  • Indikatoren für den Ackerbau (z. B. Temperaturverläufe während der Kornfüllung)
  • Kennzahlen für die Tierhaltung (z. B. Hitzestress)
  • Auswertungen für Dauerkulturen

Die Daten können:

  • auf lokaler Ebene oder europaweit dargestellt werden
  • für die nahe Zukunft (2021–2050) und ferne Zukunft (2051–2100) berechnet werden
  • auf Basis mehrerer Klimamodelle ausgewertet werden (Multi-Modell-Ansatz)

Direkter Bezug zur landwirtschaftlichen Praxis

Ein besonderer Vorteil von CANARI ist die Verknüpfung von Klimadaten mit konkreten Produktionsprozessen. Die Anwendung setzt klimatische Entwicklungen in Beziehung zu den Entwicklungsstadien von Pflanzen oder zu Anforderungen in der Tierhaltung.

So wird beispielsweise sichtbar:

  • wie sich Temperaturen über 25 °C auf die Kornbildung bei Getreide auswirken
  • welchen Einfluss Niederschläge auf Aussaat- und Erntezeitpunkte haben
  • wann Hitzestress für Nutztiere kritisch wird

Diese Verknüpfung ermöglicht es, betriebliche Anpassungsmaßnahmen gezielt zu planen.

Chancen und Risiken frühzeitig erkennen

Neben Risiken macht CANARI auch potenzielle Chancen sichtbar, die sich aus dem Klimawandel ergeben können. amit liefert das Tool eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen im Agrarsektor.

Mögliche Risiken:

  • Ertragsverluste durch Hitzeperioden
  • zunehmende Wetterextreme
  • Verschiebung bewährter Anbauzyklen

Mögliche Chancen:

  • längere Vegetationsperioden
  • neue Fruchtfolgen oder Zwischenfrüchte
  • Anpassung von Produktionssystemen

Zielgruppen und Anwendung

CANARI richtet sich vor allem an Organisationen und Fachakteure, die sich bereits mit Klimaanpassung in der Landwirtschaft befassen. Dazu gehören:

  • landwirtschaftliche Beratungsstellen
  • Versicherungen
  • Bildungseinrichtungen
  • öffentliche Institutionen
  • Bauernverbände und Erzeugergemeinschaften

Für den Einstieg kann die AWA-Plattform (AgriAdapt Webtool for Adaptation) genutzt werden, die Grundlagenwissen zur Klimaanpassung vermittelt.